05 Dezember 2009

Mark Helprin: "Wintermärchen" ("Winter's Tale")


"Wintermärchen" ist eines jener Bücher, die einen auf eine Reise schicken und auch dann nicht mehr loslassen, wenn man den Buchdeckel nach der letzten Seite schon längst wieder zugeklappt hat.
Ich habe das Buch als Teenager in der Stadtbibliothek Böblingen entdeckt, als ich auf der Suche nach "etwas anderem" war (damals bestand meine Lektüre in der Hauptsache aus Wolfgang Hohlbein und Stephen King). Und es war wohl das Versprechen des Titels, dass mich mit diesem Buch etwas "fantasymässiges" erwarten würde, sowie die Jahreszeit - es war Winteranfang damals.

Wintermärchen spielt in New York, aber gleichzeitig auch in einer fabelhaften, wunderbaren und tragischen Welt - einem New York, in dem Wunder geschehen und sich die Gesetze von Zeit und Raum nicht so starr und phantasielos verhalten wie in der Welt unserer alltäglichen Erfahrungen.

Das Buch deckt grob 100 Jahre in New York ab, und die Stadt dient dem Autor als Kulisse, vor der er uns eine ganze Reihe von zunächst nicht miteinander in Beziehung stehender Charaktere vorstellt, Ihnen Zeit gibt, sich zu entfalten und tiefe Eindrücke in uns zu hinterlassen.
Dies ist eine der großen Stärken Mark Helprins: er vermag es, seinen Lesern die unterschiedlichsten Menschen und deren Schicksale, Überzeugungen und Lebenswege näher zu bringen.

Im Laufe des Romans verweben sich die Schicksale der Protagonisten mehr und mehr, es entsteht ein Netz aus Beziehungen und Begegnungen, wie man sie aus den später entstandenen Robert Altman - Filmen kennt.

Technik und Architektur vermischen sich hier mit Magie und Mystik, Journalismus, Business und Karriere mit Liebe und tiefer Romantik. Verbrechen mit Ehrhaftigkeit und über allem glitzern die Sterne in der eisig klirrenden Kälte eines jahrhundertelangen Winters.

Ein magisches Buch, ein Buch wie geschaffen für lange Winternächte am Kamin. Ein Buch, in welchem New York mit Sicherheit verklärt wird, dass aber auch eine Seite in mir anrührte, welche mich die ganze Welt in einem anderen, einem magischeren Licht sehen liess.


Kommentare:

  1. Hey! Bin gerade beim Film Trailer gucken auf den Film gestoßen und denk mir doch den Film hast Du doch schon gelesen?
    Geht der Schimmel mal in so einer Muehle im Kreis? Muss das Buch noch mal lesen und den Blog hier auch noch einmal genauer. Liebe Grüße Tanja

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    1. Hallo Tanja!
      Genau auf den Film bin ich schon (etwas ängstlich) gespannt. Denn ich hoffe mal dass ich mir durch das Anschauen des Films nicht einen meiner letzten noch nicht verfilmten Kindheitsromane vermassele bzw. die Bilder sich dann über meine Erinnerung legen (wie halt z.B. schon beim Herrn der Ringe und jetzt beim Hobbit geschehen).

      Auch lustig dass Du jetzt gerade diesen Kommentar schreibst - ich habe mein Blog die letzten Jahre stark vernachlässigst, möchte das aber jetzt ändern und wieder mehr schreiben, denn aufgehört zu lesen habe ich natürlich nicht :)

      Lg aus Irland,
      "Stormbringer"

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  2. Hallo ihr beiden, bin durch den Film zum Buch gekommen und muss sagen, das sie wirklich nur sehr wenig miteinander zu tun haben. Der Film ist ja dann doch nur eine kurze (wenn auch sehr schöne) Liebesgeschichte. Zum Buch muss ich sagen, das es einen Wahnsinnig starken ersten Teil hat und am Ende für mich leider nicht mehr ganz an die selbst geweckten Erwartungen herankommt. Wobei immer mal wieder ein wenig Genie durchblickt, aber letztendlich werden Dinge einfach beendet und nicht Abgeschlossen, einiges wirkt, als ob der Author keine Zeit oder Lust mehr hatte. Insbesondere fallen mir da das Tablett ein und die seltsame Wiederbelebung der kleinen Abby aber auch die Andeutung, das Beverly ihrem Bruder klare Anweisungen gegeben haben soll die dann aber nur im Abbrennen des Dorfes und Hauses am See dargestellt werden.

    Lg

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